World Music  Brasilien
Rosa Morena Russa Esta ficando russo! 5881572 CD
2 Stück sofort lieferbar. Lieferung bis Mittwoch, 5. Oktober 2016 Preis 17,98 EURO

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FormatAudio CD
Bestellnummer5881572
Barcode4250095881572
LabelDaCasa Records
Erschienen am22.02.2013
Verkaufsrang4784

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Teil 1: ES WAR EINMAL...


Alles fing 2009 an, als Rosa Morena Russa aufgrund einer Fügung des Schicksals Adriana begegnete. Adriana war wunderschön, schimmerte verführerisch weiß und fristete bei einem Gitarrenbauer namens Fahrbach ein elendes Dasein. Traurig und bekümmert hing sie als nutzloseste Gitarre des Universums bei No1. im Regal, ohne Gelegenheit, die Welt mit ihrem Klang beglücken zu können. Bis Rosa kam.

Rosa, die bis dahin nur sporadisch zur Gitarre gegriffen hatte. Die aber plötzlich nicht mehr anders konnte, als Adriana spontan bei der Hand zu nehmen, sanft ihren schönen Holzbauch zu streicheln, sie zärtlich am Hals zu liebkosen und die schließlich anfing, mit ihr zu spielen, zu spielen, zu spielen. Augenblicklich wurden Rosa und Adriana ein Paar. Und sind es bis heute. Längst ist Adriana bei Rosa eingezogen, um das Zentrum ihres Lebens zu werden und sie alltäglich zu begleiten. Und wie das oftmals so ist, wenn zwei sich lieben: Lange lässt Nachwuchs nicht auf sich warten. Eine erste Melodie wurde geboren. Ihr folgten eine Zweite, eine Dritte, eine Vierte und viele mehr. Prächtig und munter wuchsen die Sprösslinge heran, wurden größer, breiteten sich aus, begannen Ansprüche zu stellen, krakeelten und pubertierten, wurden erwachsen, wurden Lieder und Familie.

Und auch das ist normal: Irgendwann wollen auch Kinder auf eigenen Beinen stehen, wollen raus ins Leben und sehen, was möglich ist. Im Fall des Nachwuchses von Rosa Morena Russa, die einst als Tochter einer Klezmer-Familie aus dem ukrainischen Kiew in das deutsche Hamburg kam, um dort bei einem Konzert von Gilberto Gil ihre Liebe zu brasilianischer Bossa Nova, Samba und Tropicalismo zu entdecken, bildeten die Hamburger Jazzkreise das Umfeld, in dem ihre Kleinen flügge wurde. Und die hier bei diversen Sessions die Bekanntschaft mit lokalen Größen machten. Etwa mit Leandro St. Hill, dem Saxophonisten von Omar Sosa. Mit Dan Gottshall, dem Lead-Posaunisten der NDR Bigband und auch mit Dudu Tucci, einem der renommiertesten brasilianischen Percussionisten Deutschlands. Nicht nur diese Drei sagten immer wieder: „Rosa, deine Kinder brauchen ein eigenes Haus. Deine Lieder gehören auf ein Album.“ Und wie es sich für eine gute Geschichte gehört: Den guten Worten folgten gute Taten. Es folgte „Está ficando russo!“.

In Hamburg und Berlin wurde das Album schließlich eingespielt, bevor sich João Ferras in seinem Lontra-Studio in Rio de Janeiro an den finalen Mix und das Mastering machte. Den im Wortsinn letzten Pinselstrich verlieh dem Album Pavel Ehrlich, der das Booklet illustrierte. Schon zuvor hatte der Hamburger Künstler Rosas Band bei Auftritten mit seinen poetischen Malereiperformances live begleitet.


Teil 2: Die Musik


Die Idee, ein Album multilingual auf Brasilianisch, Russisch und Deutsch einzusingen, entstand aufgrund von Rosas Unwilligkeit, sich für eine Sprache zu entscheiden, aber auch aus dem Wunsch heraus, die Kulturen Russlands (Ukraine?) und Brasiliens in einem Kunstwerk zu vereinen. Kulturen, die im geopolitischen Kontext kaum Berührungspunkte aufweisen, aber in Rosas Alltag und in ihren bildhaften Texten miteinander verschmelzen. So klingen Samba und Bossa Nova bei Rosa auch dann brasilianisch weich, wenn sie diese auf Russisch singt. Ihrer geliebten Wahlheimat Hamburg erweist sie mit einer deutschen Samba die Ehre.

Stilistisch orientiert sich das Album stark an brasilianischen Musik-Traditionen. Rosa war es wichtig, brasilianische Grooves zu erzeugen und authentisch „brazuca“ zu klingen, um auf dieser Basis harmonisch und rhythmisch zu experimentieren. Etwa die Hälfte ihrer Musiker sind Brasilianer, andere stammen aus Kuba, den USA, Russland, der Ukraine und Australien.

Das bunte Konzept lässt das Album rund, harmonisch und frisch wirken. Als Autodidaktin nähert sich Rosa ihrer Arbeit völlig unvoreingenommen und unterwirft ihre Lieder nur ihrem eigenen Gespür und ihrer eigenen Ästhetik. Dabei scheut sie sich weder musikalische Klischees zu eigen zu machen noch bestehende harmonische Kontexte zu sprengen. Ihre Stücke klingen frei, ehrlich und authentisch. Mit seinen teilweise komplexen Harmonien und Soli nähert sich der Sound mitunter dem Jazz und experimenteller Musik, ihre Melodien jedoch strahlen stets einen unwiderstehlichen Pop-Appeal aus.

Einige Sambas überzeugen ganz traditionell: Etwa das von Jorge Bem’s Spirit angehauchte und direkt ins Ohr gehende „Te amo, Maria“. Aber auch „Grande Festa“, dessen Text sich an die Mystik des „Canto de Ossanha“ anlehnt und das mit einer Marcha rancho beginnt und schließlich mit Candomblé-Zitaten als Capoeira endet. „Seu olhar“ (Dein Blick) ist eine anschmiegsame Old School Bossa Nova, ein romantisches Interlude und ein tolles Posaunensolo inklusive.

Fröhlich osteuropäisch tönt dagegen „Ya ne lublu tebya“ (Ich liebe Dich nicht) mit seinen auf drei viertel getakteten, slawisch geprägten Harmonien. „Boca“ (Mund) kommt als kapitale Kulturfusion daher: Das Lied ist eine Samba-Variation mit gleitendem Taktwechsel zu einem ukrainischen Volkslied und beglückt darüber hinaus mit origineller Jazzharmonik.

Andere Lieder verfangen aufgrund ihrer dichten Atmosphäre: Zum Beispiel die Samba-Cançao „Letniy vecher“ (Sommerabend) und das experimentelle „Sem você “(Ohne Dich) mit seinem Afoxé-Rhythmus und den geheimnisvollen Klängen von Berimbau und Geige. „Nada mais alem...“ (Nichts mehr, außer...) wiederum bezaubert mit dunklen Chören und einem expressiven Akkordeon, das mal slawisch, mal Piazolla-like erklingt.

Wörtlich läßt sich der Albumtitel „Está ficando russo!“ mit „Es wird russisch!“ übersetzen. Im Carioca-Slang von Rio de Janeiro hingegen würden dieselben Worten warnen: „Jetzt wird die Sache aber wirklich ernst“. Auch dieses Wortspiel illustriert, wie innovativ und souverän Rosa Morena Russa Universen und Klänge zusammenführt, die nur bei ihr auch wirklich so zusammen gehören. „Vorbei“ heißt das deutsche Stück auf ihrem Debüt. Doch gilt das nur für eine zerbrochene Liebe. Denn Rosa Morena Russa fängt gerade erst richtig an.


Lead vocals, backing vocals, classical guitar: Rosa Morena Russa.

Trombone and backing vocals: Dan Gottshall

Alt Sax, flute and backing vocals: Leandro St. Hill

Accordion: Stanislav Dinerman

Fender Rhodes in Nr. 2 (Seu Olhar), Nr. 3 (Boca), Nr. 6 (Letniy Vetcher) and Nr. 9 (Vorbei): Simon Grey. In Nr. 8 (Sem voce): Rosa Morena Russa.

Cavaquinho rhythm: Remy de Souza

Bass and Rhythm section arrangements: Guilherme Castro

Drums: Cesar Ferreira

Percussion (surdo, pandeiros, bongos, congas, sound effects etc.): Dudu Tucci. Berimbau in Nr. 8 (Sem voce) Rosa Morena Russa

Cavaquinho solo and violao baixaria in Nr. 10 (Chorinho): Sammy Barros Violine in Nr. 8 (sem voce) Alec Sloutskiy

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CD 1
  • 1.Te Amo, Maria
  • 2.Seu Olhar
  • 3.Boca
  • 4.Nada Masi, Alem...
  • 5.Grande Festa
  • 6.Leniy Vetcher
  • 7.Ya Ne Lublu Tebya
  • 8.Sem Voce
  • 9.Vorbei
  • 10.Chorinho